Der neue Menge

Hermann Menge

Lehrbuch der lateinischen Syntax und Semantik

völlig neu bearbeitet von Thorsten Burkard und Markus Schauer



Beispiele aus dem neuen Menge | Konkordanzen


Der Anfang des neuen Menge - und das Ergebnis

Im Dezember 1996 erhielten wir durch die Vermittlung von Professor Friedrich Maier von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt den Auftrag, Menges Repetitorium der lateinischen Syntax und Stilistik innerhalb von zwei Jahren zu überarbeiten. Dabei wurde festgelegt, dass Umfang und Anlage des neuen Bandes dem alten Menge entsprechen sollten: 600 Seiten mit Übungssätzen.
Im April 1999 wurde der letzte Teil des fertigen Manuskripts nach Darmstadt gesandt: Die Seitenzahl betrug in unserem Layout 950, der Teil mit den Übungs- und Lösungssätzen war auf etwa 30 Seiten geschrumpft.
Wie kam es innerhalb von zwei Jahren zu diesen grundlegenden Änderungen?
  1. Es ist zugegebenermaßen ein probates Mittel, bei Neubearbeitungen dem Ausgangswerk die Verantwortung in die Seiten zu schieben, aber wer das alte "Repetitorium" kennt, weiß, dass Hermann Menge hier in jede einzelne Seite eine unglaubliche Informationsmenge hineingedrängt hat - ohne sich dabei um ein ansehnliches, übersichtliches Layout zu kümmern: Leerzeilen, Tabellen und alles andere, was eine Seite leicht lesbar machen könnte, waren entweder unbekannt oder verpönt. Da wir uns nun mit der Aufgabe konfrontiert sahen, für ein lernbares Layout zu sorgen, konnte es nicht ausbleiben, dass die 600-Seiten-Grenze sehr bald überschritten wurde.
  2. Eine gründliche und verbessernde Überarbeitung des alten Menge konnte unter diesen Umständen nicht alle Informationen aufnehmen, ohne alle Rahmen eines einbändigen Lehrwerkes zu sprengen: Also musste die Schere angesetzt werden. Und hier bot sich nun einmal die Fülle der Übungssätze, die zwischen einem Fünftel und einem Viertel(!) des alten Menge füllen, geradezu wie von selbst an. Wir haben also versucht, die wichtigsten grammatikalischen Phänomene in unserem Mini-Übungsteil zu behandeln. Allerdings kann man nicht sagen, dass unsere Übungssätze Überbleibsel des alten Menge sind: Da wir sehr bald bemerken mussten, dass viele Sätze unklassisch, erfunden oder aus pädagogischen Gründen zurecht gebogen waren, haben wir geeignete klassische Sätze genommen, die uns während der Bearbeitung als geeignete Übungssätze aufgefallen waren.
  3. Die von Menge begonnene Verwissenschaftlichung sollte zu Ende geführt werden: Jede Mengesche Regel und Behauptung wurde daher einer kritischen Prüfung unterzogen, jedes Phänomen wurde in (hoffentlich) ausreichendem Maße belegt - und mag es auch noch so trivial erscheinen. Fast jeder Beispielsatz, der von uns angeführt wird, stammt aus dem untersuchten Corpus der beiden Klassiker. Erfindungen und Änderungen an Originalsätzen haben wir so weit wie möglich reduziert. Aus dieser konsequenten Arbeit des Belegens ergab sich aber unweigerlich eine Aufblähung des Inhalts auf die 1055 Seiten der Buchversion.

Das Corpus und die Methode

Schon am Beginn der Bearbeitung stand die Entscheidung, sich auf die Werke der beiden Klassiker Cicero und Caesar zu beschränken und alle Hinweise auf unklassischen und poetischen Sprachgebrauch auszuschließen. Diese Entscheidung war zunächst die Folge zweier Überlegungen: Platzgründe und die Situation an den meisten deutschsprachigen Universitäten, an denen in Stilübungen in der Regel ein Purismus herrscht, der nur Cicero und Caesar gelten lässt.
Im Laufe der Überarbeitung stellte sich u. E. immer mehr heraus, dass diese Entscheidung auch von einem sprachwissenschaftlichen Standpunkt aus gerechtfertigt war: Die Divergenzen zwischen den beiden Klassikern und anderen Autoren sind zum Teil so beträchtlich, dass es eine grobe Vereinfachung wäre, von einem einheitlichen Corpus zu sprechen: Schon Livius, Nepos und Sallust schreiben ein "anderes Latein".
So kommt es, dass mit dem neuen Menge - nach den nur punktuellen Arbeiten Lebretons - zum ersten Mal eine umfassende Autorengrammatik zu Cicero und Caesar vorgelegt werden kann.

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